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Futures Literacy

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FuturesComp – der Referenzrahmen zu Futures Literacy in der Hochschulbildung

FuturesComp

Impuls für zukunftsfähige Hochschulbildung in Österreich

Wie können wir Studierende auf eine turbulente, komplexe und unsichere Zukunft vorbereiten? Diese Frage gewinnt im Kontext gesellschaftlicher, technologischer und ökologischer Transformationen zunehmend an Bedeutung – und genau hier setzt der FuturesComp an. Mit dem FuturesComp liegt in Österreich erstmals ein umfassender, praxisorientierter Referenzrahmen vor, der Hochschulen dabei unterstützt, Zukünftedenken und Futures Literacy systematisch in Lehre, Curricula und Hochschulentwicklung zu verankern. Der FuturesComp wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) entwickelt. Unter der Leitung des UNESCO Chairs in Futures Capability for Innovation and Entrepreneurship am MCI | Die Unternehmerische Hochschule® konnte der UNESCO Chair in Learning and Teaching Futures Literacy in the Anthropocene an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich Expertise im Bereich Pädagog*innenbildung und Hochschuldidaktik einbringen. Gemeinsam konnte so ein zukunftsweisender Orientierungsrahmen für die Hochschulbildung in Österreich geschaffen werden.

Futures Literacy: Zukunft als Möglichkeitsraum verstehen

Im Zentrum steht das Konzept der Futures Literacy – die Fähigkeit, Veränderungen im Zeichen des aktuellen Wandels zu verstehen, ihnen lösungsorientiert zu begegnen, sich verschiedene Zukünfte vorzustellen und in der Gegenwart eine lebenswerte Zukunft für alle zu bauen. Zukunft wird dabei nicht als festgelegte Entwicklung verstanden, sondern als offener Möglichkeitsraum, der unterschiedliche Perspektiven und Handlungsoptionen in multiplen Zukünften – wünschenswert, plausibel, dystopisch, kurz: POLY-Zukünften – eröffnet. Futures Literacy umfasst also die Fähigkeit, Veränderungen zu antizipieren sowie die Entwicklung konkreter, verantwortungsvoller Gestaltungsoptionen.

Der FuturesComp strukturiert Futures Literacy entlang von fünf zentralen Dimensionen:

  • Erkundung von POLY-Zukünften – Zukunftsmöglichkeiten wahrnehmen und verstehen
  • Mitverantwortung an POLY-Zukünften – ethische und gesellschaftliche Verantwortung reflektieren
  • Gestaltung von POLY-Zukünften – aktiv an wünschenswerten Zukünften arbeiten
  • Selbstentwicklung in POLY-Zukünften – eigene Haltungen und Fähigkeiten weiterentwickeln
  • Teilhabe an POLY-Zukünften – Zukunft gemeinschaftlich gestalten

Diese Kompetenzen machen deutlich: Zukünftebildung bedeutet nicht nur, über Zukunft nachzudenken, sondern sie aktiv mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen.

Von der Vision zur Umsetzung

Der Referenzrahmen bietet Hochschulen konkrete Unterstützung für die Praxis. Dazu gehören Lernziele und Lernergebnisse für verschiedene Kompetenzbereiche, didaktische Handlungsanleitungen und Next-Practice-Beispiele für innovative Hochschullehre. Die Entwicklung basiert auf einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage: systematische Literaturanalysen, Expert*inneninterviews sowie internationale Fokusgruppen-Workshops. Darüber hinaus dient der FuturesComp als normative und konzeptionelle Orientierung für die Weiterentwicklung von Curricula und die Transformation von Hochschulen.

Der FuturesComp setzt nicht nur in der Lehre an, sondern wirkt auch auf bildungspolitischer und gesellschaftlicher Ebene: Er zeigt auf, wie Hochschulen Studierende dazu befähigen können, Zukunft nicht nur zu analysieren, sondern aktiv, reflektiert und verantwortungsvoll zu gestalten.

“Die Förderung von Futures Literacy ist ein zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Hochschulbildung. Der FuturesComp bietet dafür eine wertvolle Orientierung und lädt zur Weiterentwicklung innovativer Lehr- und Lernformate ein.”
— Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung

“Dieser FuturesComp eröffnet, ermöglicht und befördert für Pädagogische Hochschulen, Fachhochschulen und Universitäten die von der Gesellschaft geforderte Zukunftsorientierung der Hochschulbildung – neben der Hochschulforschung und -bildung profitieren indirekt alle Bildungseinrichtungen davon."
— Edda Polz, Vizerektorin PH NÖ

"Der FuturesComp gibt der Hochschuldidaktik einen Innovationsschub: Zukunftsbilder schaffen Lebensweltbezug – disziplinübergreifend und wirksam. Zukunftsbilder entstehen zu lassen, stellt den für jedes Lernen so wichtigen Lebensweltbezug her – unabhängig von den Disziplinen: Er lässt sich transdisziplinär nutzen."
— Carmen Sippl, PH NÖ UNESCO Chair

“Futures Literacy ist mehr als eine Kompetenz – sie ist eine gesellschaftliche Ressource. Sie stärkt jene Fähigkeiten, die wir für Zusammenhalt, Innovation und Transformation dringend brauchen.”
— Antje Bierwisch, MCI UNESCO Chair

Zukunft gestalten lernen

Mit dem FuturesComp leisten das MCI und die Pädagogische Hochschule Niederösterreich einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Hochschulbildung in Österreich. Das Ziel ist klar: Studierende sollen nicht nur auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet werden – sie sollen befähigt werden, gesellschaftliche Entwicklungen aktiv, reflektiert und verantwortungsvoll mitzugestalten.

Denn Zukunft ist kein vorgegebener Zustand – sie entsteht durch unser Handeln im Hier und Jetzt!

Futures Literacy

Futures Literacy
Zukunft lernen und lehren

Hrsg. von Carmen Sippl, Gerhard Brandhofer & Erwin Rauscher
Innsbruck et al.: Studienverlag
464 Seiten
(Pädagogik für Niederösterreich Bd. 13)
ISBN 978-3-7065-6263-8
DOI: https://doi.org/10.53349/oa.2022.a2.170

Der Band kann beim Studienverlag als Printausgabe und als E-Book bestellt werden.

Buchpräsentation

„Futures Literacy“: zum Sammelband

Die UNESCO hat Futures Literacy zur essenziellen Kompetenz des 21. Jahrhunderts erklärt. Jede*r Einzelne soll befähigt werden, Strategien zur Bewältigung einer unsicheren Zukunft im Zeichen des Klimawandels zu entwickeln. Futures Literacy umfasst die Antizipation und Imagination alternativer Zukünfte, die Akzeptanz von Komple­xität und ein neues Verständnis unserer Handlungsfähigkeiten, um vorausschauend konkrete Vorstellungen, positive Bilder und kreative Lösungen mitverantwortlich zu ent­wickeln.

Was genau ist das: Zukunftsgestaltungskompetenz? Welche Bildungsinhalte fokussieren die gesellschaftlichen Herausforderungen? Wie können die digitalen Umbrüche für die Transformation genutzt werden? Welche kreativen, kulturellen, künstlerischen Praktiken öffnen ökologisches Bewusstsein? Welche modell- und beispielhaften Umsetzungen lassen sich in der schulischen Gegenwart gestalten? Welche didaktischen Konzepte verankern Futures Literacy in der Pädagog*innenbildung?

Zukunft denken – erzählen – gestalten: Die interdisziplinären Beiträge in diesem Sammelband zeigen nicht nur das breite Spektrum der Aspekte auf, die im Konzept der Futures Literacy gebündelt sind. Sie machen auch deutlich, wie Zukünftebildung konkret in Bildungspro­zessen gelingen kann.

Zukunft lernen und lehren

Die Zukunft ist eine unbekannte Größe. Die ‚Große Beschleunigung‘ seit Mitte der 1950er-Jahre geht mit einem enormen, bis heute ungebremsten Energieverbrauch einher. „Dies treibt die physikalischen, chemischen und biologischen Veränderungen auf der Erde voran, die nun die Biosphäre und das Klima destabilisieren“ (Leinfelder 2021). Die Menschheit ist zum geologischen Faktor gewor­den. Das Anthropozän-Konzept fordert Wissenschaft und Gesellschaft heraus, die Wechselwirkungen und Interdependenzen zwi­schen Mensch und Umwelt, Kultur und Maschine bewusst zu machen und Nachhaltigkeit in das Zentrum transformativer Prozesse zu stellen.

Technologie und Digitalisierung haben die Lebensweisen maßgeblich verändert, „aber was in diesem Zeitalter wann und wie noch geschehen wird, ist Gegenstand teilweise naiver Fortschrittsfantasien, erbitterter Kontroversen und zunehmend angstbeladener Szenarien“ (WBGU 2019, 2). Bisher orientiert sich die Digitalisierung von Wirtschaft und Alltag nur marginal an Nachhaltigkeits­aspekten. Auf der anderen Seite bietet die Digitalisierung aber ein beispielloses Spektrum an Möglichkeiten zur Unterstützung einer Transformation hin zu Nachhaltigkeit (WBGU 2019, 4), eine systemische Risikoperspektive veranschaulicht die zahlreichen Vernet­zungen und sektorübergreifenden Abhängigkeiten zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit (Renn et al. 2021, 26).

Die UNESCO hat ‘Futures Literacy’ zur essenziellen Kompetenz des 21. Jahrhunderts erklärt (UNESCO 2021). Sie soll jede*n Einzel­ne*n dazu befähigen, Strategien zur Bewältigung einer unsicheren Zukunft im Zeichen des Klimawandels zu entwickeln. Sie umfasst eine erweiterte Wahrnehmung und das Denkbarmachen alternativer Zukünfte, die Akzeptanz von Komplexität und ein neues Ver­ständnis unserer Handlungsfähigkeiten. „Der Raum möglicher Zukünfte ist größer, als es uns oft im ersten Moment erscheint“ (The New Institute 2021; vgl. Bergheim 2020, 118; Damhof et al. 2020). „Die Zukunft benutzen“ als Konzept, um konkrete Vorstellungen, positive Bilder und kreative Lösungen mitverantwortlich zu entwickeln, macht „Antizipation“ (Miller 2019) zum Schlagwort der „Zu­künftebildung“ (Bergheim 2018, 247). Denn „Zukunft entsteht, indem wir etwas für sie tun und in sie investieren“: „Doing Future“ (Assmann 2021).

Der Call zu diesem Sammelband hat dazu eingeladen, diese ‚Futures Literacy‘ zu diskutieren und zu konzipieren. Was ist Zukunftsgestaltungskompetenz? Welche Bildungsinhalte fokussieren die gesellschaftlichen Herausforderungen? Welche Wirkung entfaltet die Kultur der Digitalität beim De­sign passender Bildungsformate? Wie kann informatische Bildung zu Nachhaltigkeit beitragen? Wie können die digitalen Umbrüche für die Transformation genutzt werden? Welche kreativen, kulturellen, künstlerischen Praktiken öffnen ökologisches Bewusstsein? Welche Anschlussmöglichkeiten bieten einzelne Bildungsdomänen im Bildungskontinuum? Was bedeutet das für die Organisation von Bildungseinrichtungen? Welche modell- und beispielhaften Umsetzungen lassen sich in der schulischen Gegenwart gestalten? Welche didaktischen Konzepte benötigt die Pädagog*innenbildung für das Konzept einer ‘Futures Literacy’?

Zitierte Literatur

Assmann, A. (2022). Doing Future – ökologische und kulturelle Nachhaltigkeit. In C. Sippl & E. Rauscher (Hrsg.), Kulturelle Nachhaltigkeit lernen und lehren. Studienverlag. (Pädagogik für Niederösterreich 11)
Bergheim, S. (2018). An extended Futures Literacy process. Design lessons from measuring wellbeing. In R. Miller (ed.), Transforming the Future. Anticipation in the 21st Century (pp. 247–256). UNESCO/Routledge.
Bergheim, S. (2020). Zukünfte – Offen für Vielfalt. Das Handbuch für den klugen Umgang mit dem Später. epubli.
Damhof, L., Kazemier, E., Gulmans, J., Cremers, P. & Beenen, P. (2020). Anticipation for emergence: Defining, designing and refining futures literacy in higher education. In Huma­nistic futures of learning: Perspectives from UNESCO Chairs and UNITWIN Networks (pp. 168–171). UNESCO.
Leinfelder, Reinhold (11. April 2021). Das Anthropozän – Was bin ich und wenn ja, wie viele? SciLogs – Der Anthropozäniker.
Miller, R. (ed.) (2018). Transforming the Future. Anticipation in the 21st Century. UNESCO/Routledge.
Renn, O., Beier, G. & Schweizer, P.-J. (2021). The opportunities and risks of digitalisation for sustainable development: A systemic perspective. GAIA – Ecological Perspectives for Science and Society, 30, 23–28.
The New Institute (2021). Futures Literacy.
UNESCO (2021). Futures Literacy.
WBGU (2019). Unsere gemeinsame digitale Zukunft. Zusammenfassung. WBGU.

Reflexionswerkstatt: Nachlese(n) & Nachschau(en)

Die Autor*innen des Sammelbandes „Futures Literacy – Zukunft lernen und lehren“ stellten am 7. Mai 2022 ihre Konzepte und Ideen zum Themenfeld Futures Literacy in einer Reflexionswerkstatt zur Diskussion.

Die Reflexionswerkstatt (REWE) ist eine Kommunikationsform der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich: „Reflexive Handlungsfähigkeit soll im Diskurs ‚kritischer Freunde‘ eingeschätzt, bewertet, verglichen und dadurch verbessert werden.“*

* Interne Kommunikation. Regeln und Regularien zum PH-internen konfliktarmen Umgang, Version 3.1, Stand: 16. März 2018, S. 10.