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Institut für Bildungswissenschaften, Diversität und Sonderpädagogik

Das Institut für Bildungswissenschaften, Diversität und Sonderpädagogik verantwortet die bildungswissenschaftlichen Grundlagen der Pädagoginnen- und Pädagogenbildung an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich in den Lehramtsstudien der Primarstufe sowie der Sekundarstufe Allgemeinbildung im Verbund Nord-Ost. In Forschung und Lehre sowie in der Aus-, Fort- und Weiterbildung befassen wir uns mit der Frage, wie Menschen angesichts heterogener Lebens- und Lernbiografien, sich entwickeln und an gemeinsamen Bildungsprozessen teilhaben können. Humanwissenschaftliche Erkenntnisse, psychodynamische Perspektiven und bildungsethische Fragen verbinden wir mit diversitätssensibler Pädagogik, Sonderpädagogik sowie integrativer und inklusiver Pädagogik und Didaktik.

Die drei Aufgabenfelder des Instituts stehen in einem engen Zusammenhang. Bildungswissenschaftliche Theorien und Methoden erschließen Erziehungs-, Bildungs- und Entwicklungsprozesse. Diversität richtet den Blick auf Verschiedenheit und Gemeinsamkeit sowie auf die Bedingungen von Zugehörigkeit und Teilhabe. Sonderpädagogische Expertise vertieft das Verständnis spezifischer Lern- und Entwicklungsbedingungen und der erforderlichen Unterstützung. Gemeinsam fragen wir, wie pädagogische Beziehungen sowie Erziehungs- und Bildungsprozesse unter unterschiedlichen Voraussetzungen gestaltet werden können.

Diese Aufgaben haben zugleich einen gesetzlichen und curricularen Bezug. Das Institut übernimmt die Verantwortung für die Ausgestaltung und Lehre der ihm zugeordneten Studienanteile in den allgemeinen bildungswissenschaftlichen Grundlagen, in der Inklusiven Pädagogik sowie in Deutsch als Zweitsprache und sprachlicher Bildung. Deren Umfang ist in den jeweiligen Curricula auf Grundlage der Rahmenvorgaben der Anlage zum Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz festgelegt.

Pädagogisch denken, forschen und handeln

Unsere Arbeit beginnt bei konkreten Bildungs-, Erziehungs- und Entwicklungssituationen. Wir fragen, was die Beteiligten erfahren, wie pädagogische Beziehungen, das Zusammenleben in Gemeinschaften sowie gesellschaftliche, sprachliche, kulturelle und institutionelle Bedingungen die jeweilige pädagogische Situation prägen und inwiefern sich diese Beziehungen und Bedingungen pädagogisch gestalten oder verändern lassen. Den Menschen verstehen wir als Person in Beziehung zu sich, zu anderen Menschen und zur Welt. Wir betrachten, welche Möglichkeiten sich in diesen Beziehungen und unter den jeweiligen Bedingungen für Beziehungsgestaltung, Erziehung, Bildung und Entwicklung eröffnen.

Für ein vertieftes Verständnis beziehen wir erziehungs- und bildungswissenschaftliche Theorien, humanwissenschaftliche Erkenntnisse, empirische Befunde und Erfahrungen aus pädagogischen Berufsfeldern aufeinander. Wir klären, welche Fragen die jeweiligen Perspektiven erschließen, prüfen ihre Reichweite und fragen nach den Folgen für pädagogisches Handeln. Die unterschiedlichen Expertisen im Institut ermöglichen es, komplexe Fragen gemeinsam zu erkunden und zu bearbeiten und zu bearbeiten und ihre fachlichen, personalen, gemeinschaftlichen und institutionellen Dimensionen zu berücksichtigen. Daraus entwickeln wir Möglichkeiten pädagogischen Handelns, die wissenschaftlich fundiert und verantwortbar begründet sind. Verantwortung heißt für uns, auf Ansprüche und Erfordernisse der pädagogischen Situation zu antworten und für die Folgen des eigenen Handelns einzustehen.

Diversität, Sonderpädagogik und Teilhabe

Lebensgeschichten, Sprachbiografien, Begabungen sowie Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen prägen Erziehungs- und Bildungsprozesse und das Zusammenleben in Schul- und Lerngemeinschaften. Wir untersuchen, wie Verschiedenheit erfahren und gestaltet wird und welche Bedingungen Zugehörigkeit, Teilhabe, Mitwirkung und Mitbestimmung ermöglichen. Heterogenität, Transkulturalität und Intersektionalität beziehen wir dabei als unterschiedliche wissenschaftliche Zugänge ein. Wir prüfen kritisch, was sie jeweils zum Verstehen von Lebensbedingungen, Beziehungen und Teilhabe beitragen und wo ihre Grenzen liegen.

Sonderpädagogische Expertise erschließt spezifische Lern- und Entwicklungsbedingungen sowie Möglichkeiten der Unterstützung und Förderung und trägt dazu bei, Unterstützung so zu gestalten, dass sie Zugehörigkeit und Teilhabe an gemeinsamen Bildungsprozessen ermöglicht. Integrative und inklusive Pädagogik und Didaktik befassen sich mit der Gestaltung gemeinsamer Erziehungs- und Bildungsprozesse sowie mit Barrieren für Bildung und Teilhabe. Den Index für Inklusion nutzen wir als Leitfaden, um in der gemeinsamen Arbeit mit Schulen Barrieren und Möglichkeiten der Teilhabe in schulischen Kulturen, Strukturen und Praktiken zu untersuchen und zu bearbeiten. Dabei prüfen wir auch kritisch, welche theoretischen und praxisbezogenen Annahmen dem Index zugrunde liegen und wo seine Grenzen liegen.

Wir erkunden, worin sich sonderpädagogische, diversitätssensible, integrative und inklusive Perspektiven unterscheiden, wie sie sich aufeinander beziehen und was sie zur Entwicklung einer Theorie der Diversität beitragen. Eine Theorie der Diversität soll dabei begrifflich klären, wie Verschiedenheit, Gemeinsamkeit und Teilhabe in pädagogischen Situationen zusammenhängen. Begabungen sowie sprachliche Lebens- und Lernbedingungen verstehen wir als Dimensionen von Diversität, die Bildungswege wesentlich prägen. Deshalb gehören die Begabungs-, Begabten- und Hochbegabtenförderung ebenso zum Aufgabenbereich des Instituts wie, sprachliche Bildung und Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit.

Pädagogische Beratung und Begleitung unterstützen Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sowie Schulen bei der Gestaltung von Beziehungen, Bildungs- und Entwicklungsprozessen. Das Institut verantwortet die Fort- und Weiterbildung von Beratungslehrpersonen sowie die fachliche Begleitung ihrer Tätigkeit durch Supervision und pädagogische Synvision. In diesem gemeinsamen Sehen und Verstehen pädagogischer Situationen reflektieren Beratungslehrpersonen auf psychodynamischer Grundlage ihr eigenes Erleben, ihre professionelle Rolle und konkrete Fälle im Zusammenhang mit den Beziehungen und Bedingungen im schulischen Umfeld.

Mentorinnen und Mentoren qualifizieren wir bildungswissenschaftlich fundiert und diversitätssensibel und begleiten sie in ihrer beruflichen Weiterentwicklung. Damit unterstützen wir auch ihre Begleitung von Studierenden in den pädagogisch-praktischen Studien.

Beziehung sowie emotionale, soziale und prosoziale Entwicklung

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit gilt den Beziehungen und Gemeinschaften, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen und lernen. Wir befassen uns damit, wie sie Emotionen und Gefühle erleben und ausdrücken, Beziehungen und Zugehörigkeit gestalten und Formen des Handelns entwickeln, die anderen zugutekommen. Soziale Entwicklung betrifft das Leben und Handeln in Gesellschaften sowie die Möglichkeiten, daran teilzuhaben. Prosoziale Entwicklung richtet den Blick auf Zuwendung, Unterstützung, Kooperation und Mitverantwortung im gemeinschaftlichen Zusammenleben. Die Pädagogik der Diversität betrachtet die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen emotionaler, sozialer und prosozialer Entwicklung.

In diesem Schwerpunkt verbinden wir sonderpädagogische Expertise im Bereich emotionaler und sozialer Entwicklung mit der pädagogischen Gestaltung von Beziehungen und Bedingungen in Klassen und Schulen. Wir fragen, wie auch Kinder und Jugendliche, die belastende Erfahrungen machen oder herausforderndes Verhalten zeigen, Zugehörigkeit erfahren und in ihrem Lernen und ihrer Entwicklung unterstützt werden können.

Präsenzpädagogik beginnt für uns mit der aufmerksamen und achtsamen Wahrnehmung dessen, was Kinder und Jugendliche erleben und welche Möglichkeiten sich ihnen eröffnen. Wir fragen dabei auch, wie sich Beziehungen und Bedingungen in Klassen, Schulen und weiteren Lebenswelten gestalten lassen.

Die an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich erarbeitete Perspektive einer Caring Culture knüpft an den internationalen Care-Diskurs an und verbindet Fragen der Sorge und Fürsorge mit Diversität und pädagogischer Verantwortung. Sorge meint die Hinwendung zu dem, was Menschen wichtig ist und wofür sie Verantwortung übernehmen. Fürsorge findet Ausdruck in tätigem Beistand und in der Gestaltung unterstützender Beziehungen. Eine Kultur der Sorge und Fürsorge umfasst darüber hinaus das Zusammenleben in pädagogischen Einrichtungen und die Verantwortung für Bedingungen, unter denen Menschen Anerkennung, Achtung und Zugehörigkeit erfahren.

Unsere Angebote zu psychosozialen Kompetenzen, Gesundheit und Prävention greifen diese Fragen hinterfragend auf. Sie unterstützen Schulen und weitere pädagogische Einrichtungen dabei, Beziehungen und Bedingungen zu gestalten, die Wohlbefinden und Entwicklung fördern.

Forschung und Hochschulentwicklung

Forschung, Theorie und pädagogische Praxis stehen für uns in einem engen wechselseitigen Verhältnis. Fragen aus den Berufsfeldern geben wissenschaftlicher Arbeit Anstöße. Forschung eröffnet neue Möglichkeiten, pädagogische Situationen zu verstehen, fachliche Annahmen zu prüfen und Praxis weiterzuentwickeln. Theorie hilft uns, Erfahrungen aus der Praxis und Erkenntnisse aus der Forschung aufeinander zu beziehen und begrifflich zu klären.

In die Hochschulentwicklung bringt das Institut seine bildungswissenschaftlichen, diversitätsbezogenen, sonderpädagogischen sowie integrativen und inklusiven Expertisen ein. Damit wirkt es an der fachlichen Weiterentwicklung der Pädagoginnen- und Pädagogenbildung mit. Dazu gehört die Frage, wie diversitätssensible und inklusive Perspektiven in den Lehramtscurricula verankert und entsprechende Kompetenzen im Verlauf des Studiums systematisch erworben, reflektiert und in pädagogischen Situationen erprobt werden können.

Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung

Ausbildung

In unserer Lehre setzen sich Studierende mit wissenschaftlichen Theorien und Befunden ebenso auseinander wie mit Erfahrungen und Fragen aus der pädagogischen Praxis. Sie lernen, Situationen sorgfältig zu erschließen, unterschiedliche Erklärungen zu prüfen und pädagogische Entscheidungen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lebens- und Lernbedingungen fachlich und ethisch verantwortbar zu begründen. Das Institut gestaltet hierfür die bildungswissenschaftlichen Grundlagen der Ausbildung und verbindet humanwissenschaftliche Erkenntnisse, bildungsethische Fragen und diversitätssensible Perspektiven mit den Anforderungen pädagogischer Berufsfelder.

Das Institut verbindet die Auseinandersetzung mit Diversität sowie mit inklusiver und integrativer Bildung und Erziehung in den pädagogischen Grundlagen mit vertiefenden Studienangeboten.

Zu den entsprechenden Angeboten der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich gehören die Bildungswissenschaften, Inklusion und Diversität sowie u.a. die Schwerpunkte „Inklusion schafft Gemeinschaft“ und Sprachen verbinden Menschen“ im Lehramtsstudium Primarstufe. Im Lehramtsstudium Sekundarstufe Allgemeinbildung im Verbund Nord-Ost zählen dazu die bildungswissenschaftlichen Grundlagen sowie die Spezialisierung „Inklusive Pädagogik“.
In diesen Studienangeboten erwerben Studierende vertiefte Kenntnisse und Fähigkeiten in der Sonderpädagogik sowie der integrativen und inklusiven Pädagogik.

Zu den entsprechenden Angeboten der PH Niederösterreich gehören die Bildungswissenschaften, Inklusion und Diversität sowie u.a. die Schwerpunkte „Inklusion schafft Gemeinschaft“ und „Sprachen verbinden Menschen“ im Lehramtsstudium Primarstufe. Im Lehramtsstudium Sekundarstufe Allgemeinbildung im Verbund Nord-Ost zählen dazu die bildungswissenschaftlichen Grundlagen sowie die Spezialisierung „Inklusive Pädagogik“.

Fortbildung

Unsere bedarfsorientierten Fortbildungsangebote greifen Fragen aus Schulen und weiteren pädagogischen Einrichtungen auf. Wir bereiten aktuelle bildungswissenschaftliche Erkenntnisse, psychodynamische Perspektiven sowie Forschungsergebnisse zu Diversität, Inklusion und Sonderpädagogik, Deutsch als Zweitsprache, sprachlicher Bildung und Mehrsprachigkeit sowie zu psychosozialen Kompetenzen, Gesundheit und Prävention für die pädagogische Praxis auf. Auch die Begabungs-, Begabten- und Hochbegabtenförderung gehört zu unserem Fort- und Weiterbildungsangebot.

Weiterbildung

In der Weiterbildung ermöglichen Hochschullehrgänge eine vertiefte wissenschaftliche und berufsfeldbezogene Qualifizierung.

Ein Schwerpunkt ist der Hochschullehrgang mit Masterabschluss „Pädagogik der Diversität – emotionale, prosoziale und soziale Entwicklung“. Dieser Hochschullehrgang verbindet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungsbereichen mit der Qualifizierung für Beratung, Begleitung und der Gestaltung pädagogischer Beziehungen und Gemeinschaften in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang.

Das Institut verantwortet im Besonderen die humanwissenschaftliche und diversitätssensible Qualifizierung von Mentorinnen und Mentoren sowie Beratungslehrpersonen. Begleitung, Beratung, professionelle Reflexion, Beziehungsgestaltung, psychodynamisches Verstehen und Kooperation stehen dabei im Mittelpunkt.