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Frieden ohne Gewalt? Ist Zukunft beeinflussbar? Ja!

Das Bundesminsterium für Frauen, Wissenschaft und Forschung lud Expert*innen aus der Friedens- und Konfliktforschung und Futures Literacy zur Diskussion, wie ihre Forschung die Gesellschaft und Demokratie zum Besseren verändern können.

In Themenblock A – „Wissenschaftliche Zugänge: Zukunft und Frieden gestalten“ –  plädierte Thomas Roithner, Friedensforscher und Privatdozent für Politikwissenschaft am Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien, dafür, vom Frieden her zu denken – nicht vom Krieg. Österreichs immerwährende Neutralität bedeutet nicht Nichtstun, sondern sie ist Grundlage für aktive Beiträge: als Ort für Friedensverhandlungen, als Vorreiterin für Abrüstung und zivile Krisenprävention. Denn Vorbeugen ist besser als Heilen – in allen Phasen eines Konflikts. „International nützliche Beiträge für eine Friedenspolitik mit friedlichen Mitteln – dafür steht eine glaubwürdige Neutralität.“

Carmen Sippl – Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls „Learning and Teaching Futures Literacy in the Anthropocene" an der PH Niederösterreich – machte deutlich: 80 % unserer täglichen Zukunftsgedanken betreffen den Alltag, die weiter entfernte Zukunft überlassen wir zu oft anderen. Futures Literacy bedeutet, verschiedene Zukünfte zu denken und daraus politisches Handeln abzuleiten – als partizipativer, kollaborativer Prozess, der Handlungsfähigkeit und Empowerment stärkt. Den Rahmen dafür liefert der FuturesComp: der im Auftrag des BMFWF entwickelte Referenzrahmen für Futures Literacy in der Hochschulbildung, der fünf Schlüsselkompetenzen rund um das Erkunden, Mitgestalten und Erleben von POLY-Zukünften definiert. „Die Zukunft gibt es nur in unserer Vorstellung – und genau deshalb ist sie gestaltbar."

In Themenblock B – „Von der Theorie in die Praxis: Wie Forschungsergebnisse zur Demokratiestärkung angewandt werden und so Ohnmacht in Handlungsmacht verwandeln“ – zeigte Astrid Holzinger vom Austrian Centre for Peace (ACP) aus ihrer Erfahrung in multilateraler Diplomatie, Friedensarbeit und Krisenmanagement: Technologie kann Friedensarbeit unterstützen, von Frühwarnsystemen über digitale Plattformen zur stärkeren Beteiligung von Frauen in Friedensprozessen bis zu VR-Trainings für Peacekeeping-Einsätze. Aber: Tech-Konzernen fehlt häufig die Friedens- und Kontextexpertise. Friedensfachkräfte und konfliktbetroffene Gemeinschaften müssen von Anfang an in die Gestaltung von Technologien für den Frieden eingebunden werden. „Technologien können Menschen in der Friedensarbeit nicht ersetzen, aber unterstützen. Dafür braucht es Vertrauen in den verantwortungsbewussten Einsatz von Technologien und in die Menschen, die sie entwickeln. PeaceTech muss die Bedürfnisse konfliktbetroffener Menschen ins Zentrum stellen."

Sarah Straub – Politikwissenschafterin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Demokratiezentrum Wien und im Arbeitsbereich Didaktik der Politischen Bildung am Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität Wien – machte deutlich: Demokratiebildung hat eine Doppelfunktion. Sie vermittelt nicht nur Wissen über Institutionen und Wahlsysteme, sondern befähigt dazu, demokratisch zu handeln, Konflikte und Dissens auszuhalten und Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht es Grundlagenforschung, Professionalisierung und die Verankerung der politischer Bildung in den Sozialwissenschaften – sowie Empathie und relationales Lernen als Grundlage für eine inklusivere Gesellschaft. „Demokratie ist kein Endzustand, sie ist immer auf Beteiligung angewiesen. Um demokratisch zu urteilen und dabei auch den Konflikt als Teil von demokratischen Aushandlungsprozessen zu begreifen, ist es entscheidend, Demokratiebildung in der Alltagswelt der Bürger:innen zu verankern.“

Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner machte bei der Diskussion, die am 26. Mai 2026 im Dachsaal der VHS Urania stattfand, deutlich: Friedens- und Zukunftsbildung gehören zusammen – wir setzen uns dafür ein, dass diese Verbindung in Forschung, Bildung und Politik sichtbar wird. Von der Theorie in die Praxis: Forschung entfaltet ihre Wirkung, wenn sie Menschen befähigt, Ohnmacht in Handlungsmacht zu verwandeln.

26. Mai 2026 | PH NÖ