Wie die Zukünftebildung zur Bildung im Anthropozän beitragen kann
Der Begriff „Anthropozän“ zur Bezeichnung eines neuen Erdzeitalters, das gekennzeichnet ist durch den massiven, folgenreichen Eingriff des Menschen in das System Erde, wurde im Jahr 2000 von dem Chemiker und Nobelpreisträger Paul J. Crutzen und dem Biologen Eugene Stoermer vorgeschlagen. Es wird auch (vereinfacht) 'das Zeitalter des Menschen' genannt.
Seither ist der Begriff ‚Anthropozän“ zu einem viel diskutierten transdisziplinären Reflexionsbegriff geworden, auch in Bildungskontexten. Die Pädagogische Hochschule Niederösterreich hat ihn in ihrem Ziel- und Leistungsplan und im Curriculum verankert; in Forschungs- und Entwicklungsprojekten, gefördert vom Land Niederösterreich, wurden umfangreiche Bildungsmaterialien für die Primarstufe erarbeitet. Sie sind im Open Access auf den Plattformen Anthropozän und Wissenschaftsbildung für die Nutzung in Hochschullehre und Unterricht zugänglich.
Die Internationale Kommission für Stratigraphie, zuständig für die Formalisierung von Erdzeitaltern, hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die Anthropocene Working Group (AWG) eingerichtet, die eine mögliche zeitliche Fixierung erforscht und diskutiert. Die Untergruppe „Education“ hat sich die Aufgabe gestellt, pädagogische Handreichungen für Lehrerinnen und Lehrer evidenzbasiert zu erstellen und Bildungsforschung in internationalen Projekten durchzuführen, die ein genaues Verständnis dafür fördert, was der Bruch zwischen Holozän und Anthropozän – die „Great Acceleration“ – für unsere Gesellschaften bedeutet. Das Ziel ist die Förderung von Futures Literacy als Zukünftegestaltungskompetenz im Anthropozän.
Die Vorreiterrolle der PH Niederösterreich für transformative Zukünftebildung im Anthropozän wurde nun mit der Einladung und Aufnahme von Rita Krebs (Fachdidaktik Naturwissenschaften) und Carmen Sippl (Fachdidaktik Geisteswissenschaften) vom UNESCO-Lehrstuhl für Futures Literacy an der PH NÖ ausgezeichnet.
Die Mitarbeit in dieser interdisziplinären Arbeitsgruppe gibt die Möglichkeit, die vorliegenden Bildungsmaterialien – konzipiert und erprobt in dem vom Land NÖ geförderten Projekt "Das Anthropozän lernen und lehren" in Zusammenarbeit mit Studierenden der PH NÖ – international zu disseminieren und weitere zu erarbeiten, was auch dem Auftrag des UNESCO-Lehrstuhls entspricht. Die ZLP-Schwerpunktthemen Anthropozän und Futures Literacy der PH NÖ stoßen damit auf ein internationales Echo.