Mit den Welcome Days an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich (PH NÖ) starteten 268 neue Studierende in ihr Studium – 250 in der Primarstufe und 18 im erstmals angebotenen Elementarpädagogikstudium. Die ersten Tage boten Orientierung, Einblicke in das Studium und Gelegenheit, jene Menschen kennenzulernen, die den Hochschulalltag in den kommenden Semestern mitgestalten. Zugleich rückte eine Aufgabe in den Mittelpunkt, die weit über den Studienbeginn hinausweist: Kinder auf ihren Bildungswegen zu begleiten und ihnen Möglichkeiten für ihre eigenen Zukünfte zu eröffnen.
Severin Praßl-Wisiak, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, eröffnete die Welcome Days 2026 und führte durch das Programm. Dabei lud er die neuen Studierenden dazu ein, den Tag bewusst zum Ankommen, Zuhören, Fragenstellen und für erste Begegnungen zu nutzen, und stellte zugleich den Jahresfokus der PH NÖ „Mitverantworten in bewegten Zeiten“ als Leitgedanken für das Studienjahr vor.
PH-NÖ-Rektor Bernd Langensteiner begrüßte die neuen Studierenden mit einem Blick nach vorn – auf ein Studium, das vom Ausprobieren, Wachsen und dem Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten lebt. Im Zentrum seiner Rede stand ein Gedanke, der weit über den Studienbeginn hinausreicht: Zutrauen eröffnet Entwicklung. Er ermutigte die Studierenden, den „Zauber“ des Beginns zu bewahren – als Freude am Entdecken, als Offenheit für neue Menschen und als Mut, eigene Ideen auszuprobieren. Bildung beginne früh: im Spiel, in Beziehungen, in Bewegung, im gemeinsamen Staunen und Entdecken. Aus solchen Erfahrungen könne Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen. Ausprobieren, Erfahrungen sammeln, dazulernen, wieder versuchen, weiterwachsen – auch dafür soll Studium Raum eröffnen. Er lenkte den Blick auf eine Haltung, die den Lehrberuf wesentlich prägt: „Was Sie tun, wie Sie zuhören und wie Sie einem Kind begegnen, macht einen Unterschied“, so Langensteiner. Studieren heißt auch, noch nicht alles können zu müssen. Was zunächst ungewohnt erscheint, kann mit Erfahrung vertrauter werden; aus Übung kann Sicherheit entstehen. Auch Herausforderungen betrachtete er aus einer anderen Perspektive. Hinter einem vermeintlichen Problem könne ein Ziel sichtbar werden.
Zwischen Lehrveranstaltungen, neuen Anforderungen und all dem, was ein Studienbeginn zunächst noch offenlässt, lenkte Langensteiner den Blick auf etwas, das sich weder planen noch in einem Curriculum verorten lässt: „Und das Glück? Mit dem dürfen Sie sich ruhig verabreden.“
Vielleicht liegt gerade darin etwas von jener Offenheit, die ein Anfang braucht. Nicht alles lässt sich vorausdenken. Manches zeigt sich erst, wenn man einer Möglichkeit Raum gibt. Er gab der Verabredung mit dem Glück einen konkreten Ort: „Geben Sie ihm einen Treffpunkt: in einer Lehrveranstaltung, die Sie neugierig macht. In einem Gespräch, das Sie beginnen.“
Was in diesen ersten Tagen beginnt, reicht über Stundenpläne und Semestergrenzen hinaus. Die Studierenden bereiten sich auf Berufe vor, in denen sie Fragen ernst nehmen, Fähigkeiten erkennen und Kindern etwas zutrauen werden, das diese vielleicht selbst noch nicht in sich sehen.
Langensteiner beschrieb sie als Brückenbauerinnen und Brückenbauer – für die Kinder, die sie begleiten, und damit für die Gesellschaft. Darin liegt eine der weitreichendsten Aufgaben von Bildung: Möglichkeiten sichtbar zu machen − und eine Tür nicht selbst zu durchschreiten, sondern dafür zu sorgen, dass ein anderer sie überhaupt bemerkt.
Zutrauen bedeutet dabei mehr als Ermutigung für einen einzelnen Augenblick: Es lässt etwas beginnen, dessen Reichweite sich oft erst viel später zeigt.
Vizerektorin Simone Breit stellte das Lesen ins Zentrum ihrer Begrüßung – als Beziehung, als Bildungsweg und als Zugang zu einer Welt, die sich mit Sprache erschließt. „Lesesozialisation beginnt mit Beziehung und Vorlesen“, sagte Breit und führte damit vom gemeinsamen Betrachten erster Bilderbücher bis zu jener professionellen Verantwortung, die später Lesediagnostik, gezielte Förderung und das bewusste Vorleben von Lesekultur umfasst. Lesen, so machte sie deutlich, erschöpft sich nicht im Entziffern von Zeichen. Lesen eröffnet Denk- und Erfahrungsräume, in denen Sprache mehr leisten kann als bloß zu benennen. Texte öffnen andere Perspektiven und verschieben mitunter den Blick auf die Welt. „Kinder können von uns nicht nur hören, dass Lesen wichtig sei, sie sollen es erfahren, dass Lesen bedeutsam ist.“ Ein Satz kann beschäftigen, eine Geschichte berühren, ein Text die Sicht auf die Welt verändern.
Am Schluss bündelte Breit den Gedanken in der künftigen pädagogischen Aufgabe: „Lesen öffnet die Tür zur Welt und Sie werden Kinder auf diesem Weg in die Welt hineinbegleiten.“
Vizerektor Gerhard Brandhofer, zuständig für Fort- und Weiterbildung sowie Schulentwicklungsberatung, nahm den gemeinsamen Neubeginn zum Ausgangspunkt seiner Begrüßung – und richtete den Blick gleich zehn Jahre weiter. Lernen, so Brandhofer, ende nicht mit dem Abschluss: „Es ist tatsächlich nicht so, wenn Sie einen Abschluss haben, dass für Sie dann das Lernen beendet ist.“ Der Abschluss erscheint damit weniger als Endpunkt denn als Übergang – in ein Berufsleben, das fachliche Entwicklung, Neugier und die Bereitschaft zum Weiterlernen immer wieder neu einfordert. Dann gab Brandhofer dem Zukunftsgedanken ein Datum: den 1. Oktober 2036. An diesem Tag sollen die Studierenden ihm schreiben: „Sind Sie glücklich mit dem Job?“
Persönlichkeit, Wissen und Können, so Brandhofer, gehören dabei untrennbar zusammen. So bekam dieser Anfang einen Empfänger in der Zukunft: das eigene Ich im Jahr 2036.
Birgit Draxler griff den Jahresfokus der PH NÖ mit einer Geschichte auf: Ein König sucht das vollkommene Bild des Friedens. Er findet es nicht im stillen Bergsee, sondern mitten im Unwetter – bei einer Vogelmutter, die ihre Jungen schützt und bleibt. Gerade dort kippt das vertraute Bild von Frieden. Nicht Stille macht ihn sichtbar, sondern Haltung im Sturm.
„Frieden zeigt sich für mich dort, wo Menschen in stürmischen Zeiten für jemanden da sind“, so Draxler. Damit rückte sie Frieden dorthin, wo pädagogische Verantwortung beginnt: beim Dableiben, Begleiten und Schützen.
Michaela Rottmann, Leiterin des Instituts für Elementarpädagogik, begrüßte die Studierenden zu einem besonderen Auftakt: Erstmals startet an der PH NÖ das grundständige Studium Elementarpädagogik. Damit beginnt nicht nur ein neuer Studiengang, sondern auch ein Weg hin zu einem professionellen Selbstverständnis, das Kinder in ihren ersten Bildungsjahren aufmerksam begleitet. Sie spannte den Bogen von Friedrich Fröbel zu einer zeitgemäßen Elementarpädagogik, in der Entwicklung, Selbstständigkeit, Gemeinschaft und Chancengerechtigkeit zusammengedacht werden. Theorie und Praxis sollen dabei ineinandergreifen und neue Perspektiven eröffnen, so Rottmann. Ihr Appell an die Studierenden: Fragen stellen, Bestehendes weiterdenken und eine eigene Vorstellung davon entwickeln, was gute Elementarpädagogik leisten kann. „Ohne Visionen gäbe es keine Veränderung“, unterstrich sie.
Auch die Hochschulvertretung (HV) der PH NÖ hieß die neuen Studierenden willkommen und stellte sich als unabhängige Studierendenvertretung an den Standorten Baden, Melk und Hollabrunn vor. Clarissa Steiner, Vorsitzende, führte gemeinsam mit ihrem Team durch Aufgaben, Anlaufstellen und Möglichkeiten der Unterstützung – von studienrechtlichen Fragen bis zum direkten Austausch im Hochschulalltag. Für das, was ein Studium gelingen lässt, wählte die Hochschulvertretung ein Bild mit Charme: den Studienalltag als Kuchen, dessen Mischung stimmen muss. Eigenverantwortung, Zuverlässigkeit und Frustrationstoleranz gehören ebenso dazu wie Neugier, Offenheit und die Bereitschaft, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Einen Kuchen isst man lieber gemeinsam als alleine“, so die Hochschulvertretung der PH NÖ. Studium beginnt mit Eigenverantwortung – und gewinnt im Miteinander.
Monika Schopper, Leiterin des Instituts für Primarpädagogik, rückte jene frühen Bildungsjahre in den Mittelpunkt, in denen wesentliche Grundlagen für weitere Lern- und Entwicklungswege entstehen. Elementar- und Primarpädagogik verstand sie dabei als eng miteinander verbundene Bereiche, deren Übergänge besondere Aufmerksamkeit verdienen. „An beiden Stellen legen Sie das Fundament für die Kinder“, unterstrich sie. Mit Blick auf die spätere Praxis formulierte Schopper: „Nehmen Sie die Kinder mit auf eine schöne, informative, gute Reise durch die Volksschule.“ Gerade in den frühen Bildungsjahren liegt eine besondere Verantwortung. Denn wer einen Anfang gut begleitet, gibt dem weiteren Weg mehr als Richtung: ein tragfähiges Fundament.
Sophie Fanninger, Studierendenvertreterin in der Hochschulvertretung (HV) und Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit der PH NÖ, nahm die Studierenden mit auf einen ersten Blick voraus: auf die kommenden Welcome Days, ihre Programmpunkte und jene Orientierung, die einen zunächst unbekannten Campus nach und nach überschaubarer werden lässt. Mit den Welcome Days bekommt der Studienbeginn Kontur – durch Gespräche und erste Erfahrungen, die über diese Tage hinausreichen: ein erster Schritt verändert noch keinen Ort. Aber er kann der Beginn davon sein, ihn sich zu eigen zu machen.