32 Teilnehmende aus 16 Ländern, fünf Disziplinen und ein gemeinsames Ziel: mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung durch sprachsensiblen Biologie- und Chemieunterricht. Mit diesem Anspruch startete das Erasmus+-Projekt „sensiMINT: Sprachsensibler Biologie- und Chemie-Unterricht — Kontext und Materialien interdisziplinär reflektiert“, das nun auch auf europäischer Ebene besondere Anerkennung erfährt.
Das Projekt wurde im Rahmen von Erasmus+ Key Action 2 gefördert und gehörte bereits in der österreichischen Antragsrunde 2020 zu den wenigen ausgewählten Schulprojekten. Nun wurde sensiMINT zusätzlich von der Europäischen Kommission in den Bericht „Promoting STEM Education in Schools – Erasmus+ report: inventory of good practices and case studies“ aufgenommen. Der Bericht dokumentiert europaweit erfolgreiche Ansätze zur Förderung von MINT-Bildung und hebt Projekte mit besonderer Innovationskraft, Wirkung und Übertragbarkeit hervor. Die Projektleitung von sensiMINT lag bei der Universität Innsbruck (Suzanne Kapelari und Johanna Taglieber) in Kooperation mit Maria Steger von Edunet Europe GmbH. Rita Krebs vom UNESCO Chair in Learning and Teaching Futures Literacy in the Anthropocene war im Rahmen des Projekts an der Outputentwicklung sowie der Begleitforschung beteiligt und brachte insbesondere Expertise an der Schnittstelle von sprachsensibler Bildung, Naturwissenschaftsdidaktik und Lehrkräftebildung ein.
Aus insgesamt 127 Erasmus+-Projekten wurden Good-Practice-Beispiele ausgewählt, die einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der MINT-Bildung in Europa leisten. Darüber hinaus wurden 15 Projekte als vertiefende Fallstudien analysiert, sensiMINT war eines davon. Bewertet wurden unter anderem Innovationsgrad, Skalierbarkeit, pädagogische Qualität sowie die nachhaltige Wirkung auf Schulen und Bildungssysteme.
sensiMINT verfolgt das Ziel, sprachliche Bildung konsequent mit naturwissenschaftlichem Lernen zu verbinden. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung sprachsensibler Unterrichtskonzepte für Biologie und Chemie, die sowohl fachliche als auch bildungssprachliche Kompetenzen von Schüler*innen stärken. Damit soll nicht nur die Leistung im naturwissenschaftlichen Unterricht verbessert, sondern auch das Interesse an MINT-Fächern nachhaltig gefördert werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Professionalisierung von Lehrkräften: sensiMINT sensibilisiert Biologie- und Chemielehrkräfte für die zentrale Bedeutung von Sprache im Lernprozess und unterstützt sie durch sprachdidaktische Fortbildungsangebote. Zugleich stärkt das Projekt interdisziplinäre Zusammenarbeit und entwickelt Curricula weiter, die Forschung und pädagogische Praxis enger miteinander verzahnen. Kennzeichnend für sensiMINT ist seine internationale und interdisziplinäre Arbeitsweise. Das Projekt verbindet Lehrpersonen, Fachdidaktiker*innen für Biologie und Chemie, Sprachwissenschaftler*innen und Akteur*innen aus der Lehrkräftebildung über ko-konstruktive Entwicklungsprozesse. In einer offenen „Community of Practice“ werden Unterrichtsmaterialien gemeinsam entwickelt, getestet und weiter verbessert. Unterstützt wird dieser Prozess durch sogenannte „Critical Friends“, die die Materialien in unterschiedlichen schulischen Kontexten in zahlreichen Ländern erproben und evaluieren. Für die nachhaltige Verankerung der Projektergebnisse setzt sensiMINT auf ein breit aufgestelltes Disseminations- und Fortbildungsnetzwerk. Bildungsdirektionen, Lehrer*innenverbände sowie MINT-Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum begleiten die Verbreitung der entwickelten Materialien und Fortbildungsangebote. Die Aufnahme in den Bericht der Europäischen Kommission bestätigt die internationale Relevanz des Projekts und würdigt sensiMINT als innovativen Beitrag zur chancengerechten und sprachbewussten MINT-Bildung in Europa.
Projekthomepage
sensiMINT-Unterrichtsmaterialien
Leitfäden zur Implementierung von sprachsensiblem naturwissenschaftlichen Unterricht:
Biologie
Chemie