Unter dem Leitmotiv „Impulse – Austausch – Vernetzung“ widmete sich die Fachtagung Mentoring an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich (PH NÖ) am 27. und 28. Februar 2026 der Rolle und Bedeutung von Mentoring in der Lehrer*innenbildung. Die Tagung bot Raum für Austausch, Reflexion und neue Perspektiven auf professionelle Begleitung im schulischen Kontext.
Den Auftakt der Fachtagung gestaltete Johannes Dammerer, Departmentleiter für Schulentwicklung, der die Teilnehmer*innen begrüßte. In seinen einleitenden Worten betonte er die Bedeutung des Austauschs im Rahmen der Tagung und hob insbesondere die Beziehungsebene im Mentoring hervor. Diese brachte er mit einem prägnanten Bild auf den Punkt: „Mentoring heißt nicht vorzugehen, sondern neben jemandem zu gehen.“
Vizerektorin Edda Polz begrüßte die Teilnehmer*innen der Tagung und stellte ihre Ausführungen unter einen klaren Leitsatz: „Ohne Erfahrung kein Diskurs, ohne Diskurs kein Impuls und ohne Impuls keine Veränderung.“ Darüber hinaus beschrieb sie Mentoring als einen Prozess des gemeinsamen Denkens und Lernens, der vom Austausch, von gegenseitiger Inspiration und vom Dialog lebt. Zur Veranschaulichung griff sie das Bild des römischen Gottes Janus auf, der mit zwei Gesichtern zugleich in Vergangenheit und Zukunft blickt. Dieses Bild verdeutliche die besondere Qualität des Mentorings: Erfahrung und neue Perspektiven werden miteinander verbunden. Sie bezeichnete Mentor*innen als Ratgeber*innen, Begleiter*innen und Impulsgeber*innen: Durch Fragen, Perspektiven und Erfahrungen eröffnen sie Denk- und Entwicklungsräume, in denen professionelles Lernen möglich wird. Ein prägnanter Gedanke zum Mentoring bringt diese Sichtweise treffend auf den Punkt: „Mentoring is a skill set that many believe simply comes with longevity and expertise.“
Manuela Keller-Schneider beleuchtete in ihrem Vortrag die Herausforderungen des Berufseinstiegs und beschrieb diese als eine Phase intensiven Lernens und kontinuierlicher professioneller Weiterentwicklung. Der Übergang in die schulische Praxis sei von vielfältigen Anforderungen geprägt, die von Berufseinsteiger*innen individuell wahrgenommen und bewältigt werden, so Kellner-Schneider. Sie verdeutlichte, dass professionelle Entwicklung im Lehrer*innenberuf ein vielschichtiger, ineinandergreifender Prozess ist, in dem fachliche Kompetenz, praktische Erfahrung und persönliche Reifung Hand in Hand gehen.
Doris Pfingstner gab Einblick in ein mehrstufiges Onboardingprogramm für neue Lehrer*innen an der Modularen Mittelstufe Aspern. Ziel dieses Konzepts ist es, den Einstieg in den Beruf bewusst zu gestalten und neue Kolleg*innen von Beginn an in die professionelle Gemeinschaft der Schule einzubinden. Onboarding wird dabei nicht als einzelner Schritt verstanden, sondern als langfristiger Entwicklungs- und Sozialisationsprozess innerhalb der Schule. Einen zentralen Gedanken ihres Konzepts brachte Pfingstner prägnant auf den Punkt: „Recruiting ist Teamarbeit.“
Benjamin Dreer-Goethe rückte das Wohlbefinden von Lehrer*innen in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Auf Grundlage aktueller Forschung zeigte er, dass professionelles Handeln nicht nur von individueller Kompetenz abhängt, sondern auch von Arbeitsbedingungen, vorhandenen Ressourcen und unterstützenden Beziehungen geprägt wird. „Wohlbefinden heißt, dass Anforderungen und Ressourcen im Gleichgewicht sind“, so Dreer-Goethe.
In den anschließenden Workshops wurde der Dialog der Tagung praxisnah vertieft. In mehreren parallelen Sessions setzten sich die Teilnehmerinnen mit unterschiedlichen Facetten des Mentorings auseinander – etwa mit der Begleitung von Quereinsteiger*innen, Fragen rund um Berufseinstieg und Induktion sowie mit Entwicklungsaufgaben im Berufseinstieg und der Rolle von Mentor*innen in frühen Phasen professioneller Entwicklung. Die Workshops boten Raum für Austausch, gemeinsame Reflexion und praxisnahe Einblicke. Im Verlauf der Tagung wurde sichtbar: Wo Erfahrungen im Diskurs geteilt werden, entstehen Impulse – im Denken, im Austausch und im schulischen Miteinander im Alltag.