Insgesamt 56 Absolventinnen und Absolventen des Bachelorstudiums Elementarbildung: Inklusion und Leadership, des a.o. Bachelorstudiums Inklusive Elementarpädagogik, des Bachelorstudiums Lehramt Sekundarstufe Berufsbildung (Facheinschlägige Studien – Ergänzende Studien) sowie des Hochschullehrgangs Inklusive Elementarpädagogik feierten am 25. September 2026 an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich ihren Studienabschluss.
Bei der Graduierungsfeier sprach Bundesminister Christoph Wiederkehr zu ihnen. Rektor Bernd Langensteiner hielt bei beiden Feiern eine Festrede. Mit persönlichen Worten würdigten Simone Breit, Monika Hofer-Rybar und Sabine Zenz im Rahmen der Graduierungsfeier den Weg und die Leistungen der Absolventinnen und Absolventen.
Christoph Wiederkehr, Bundesminister für Bildung, gratulierte den Absolventinnen und Absolventen herzlich und hob die besondere Rolle frühkindlicher Bildung für die Zukunft der Gesellschaft hervor: „Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Zukunft unserer Gesellschaft schon in den Kindergärten entscheidet und natürlich auch in den Schulklassen“, betonte er. Auf die zentrale Bedeutung frühkindlicher Bildung verwies er mit den Worten: „… wie wichtig diese frühkindliche Bildung ist, wie sehr diese einen das ganze Leben lang prägt, egal ob man sich noch daran erinnern kann oder nicht.“ Die Arbeit mit Kindern bezeichnete Wiederkehr als „eine schöne und deshalb auch unglaublich wichtige Aufgabe“. Für ihre weitere Tätigkeit wünschte er den Absolventinnen und Absolventen „viel Erfolg, viel Freude und auch viel Sinnstiftung“.
In seiner Festrede im Rahmen der Graduierungsfeier richtete PH NÖ-Rektor Bernd Langensteiner den Blick auf die Verantwortung pädagogischer Arbeit. Kinder begegnen der Welt mit unterschiedlichen Erfahrungen und Voraussetzungen. Pädagoginnen und Pädagogen können ihnen Räume eröffnen, in denen sie Fragen stellen, eigene Fähigkeiten entwickeln und Zugehörigkeit erfahren. Zu Beginn seiner Rede wählte Langensteiner das Bild zweier Menschen im Dunkeln: „Zwei Menschen stehen im Dunkeln. Einer entzündet ein Zündholz. Und beide werden erleuchtet.“ An die Absolventinnen und Absolventen gewandt formulierte er: „Sie verwandeln Wissen in Bildung und Verantwortung in Wirksamkeit.“ Besondere Aufmerksamkeit widmete Langensteiner der Frage, wie Kinder ihre Umwelt wahrnehmen und erschließen. Sie forschten mit den Händen, dächten in Bewegung und entdeckten Sprache im Gespräch und Gemeinschaft im Spiel, erläuterte er. „Im Stein kann ein Schatz liegen, in einer Pfütze ein Himmel“, formulierte Langensteiner. „Ein Land wird groß, wenn es die Kleinsten groß achtet“, so Langensteiner. Pädagogische Arbeit brauche fachliches Wissen und Aufmerksamkeit ebenso wie die Bereitschaft, das eigene Handeln und dessen Wirkung zu reflektieren. Professionalität bedeute dabei auch, zwischen guter Absicht und tatsächlicher Wirkung zu unterscheiden. Erfahrung allein genüge nicht; Expertise verbinde Erfolge und Irrtümer mit wissenschaftlichem Wissen und begründetem Urteil. „Eine Sache zu beherrschen ist noch nicht dasselbe, wie sie für andere lernbar zu machen“, betonte Langensteiner.
Zuversicht nahm in seiner Rede einen besonderen Stellenwert ein: „Kinder und junge Menschen brauchen bisweilen geliehene Zuversicht.“ Pädagoginnen und Pädagogen könnten Kindern etwas zutrauen, ihnen Halt geben und sie darin bestärken, den nächsten Schritt zu wagen, so Langensteiner. Diesen Gedanken führte er weiter: „Bevor sie sagen ‚Ich kann das‘, brauchen sie Menschen, die sagen: ‚Ich sehe in dir eine Möglichkeit, die du noch nicht siehst.‘“ Zuversicht garantiere kein Gelingen, halte jedoch trotz aller Schwierigkeiten Möglichkeiten offen. Wie aus Haltung, Wissen und Zuversicht verlässliches Handeln werden könne, fasste Langensteiner mit den Begriffen Wollen, Können und Müssen zusammen. Das Wollen bezeichne die Bereitschaft, sich einem Menschen zuzuwenden, das Können die fachliche und menschliche Befähigung und das Müssen die Verbindlichkeit des Bildungsauftrags. Pädagogische Wirksamkeit zeige sich auch darin, Menschen etwas zuzutrauen: „Im Wort Zumutung steckt der Mut: Ich traue dir den nächsten Schritt zu und begleite dich.“ Zum Ende seiner Rede kehrte Langensteiner zum Bild des Anfangs zurück: „Einer entzündet ein Zündholz, und beide werden erleuchtet.“ Den Absolventinnen und Absolventen wünschte er „Erkenntnis, Mut, Zuversicht – und die Erfahrung, dass Ihr Wirken anderen Möglichkeiten eröffnet“.
Bei der akademischen Feier für den Hochschullehrgang Inklusive Elementarpädagogik stand Langensteiners Festrede unter dem Titel „Wo jedes Kind gemeint ist“. Simone Breit gab den Absolventinnen und Absolventen herzliche Impulse und gute Wünsche für ihren weiteren Weg mit. Langensteiner eröffnete diese Rede mit dem Bild des geteilten Lichts: „Licht wird nicht weniger, wenn man es teilt. Erkenntnis auch nicht.“ Die Absolventinnen und Absolventen seien als ausgebildete Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen mit Erfahrung aus der Praxis in den Hochschullehrgang gekommen und hätten sich auf wissenschaftliche Vertiefung und Reflexion eingelassen. Ihr Abschluss würdige deshalb mehr als erworbenes Wissen. Er stehe für einen professionellen Entschluss: „Jedes Kind ist gemeint.“ Folgende Gedanken rückte er in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: „Inklusion übersieht Unterschiede nicht. Sie nimmt sie wahr, ohne daraus Rangordnungen menschlichen Wertes zu machen.“ Damit ändere sich auch die Perspektive auf das Kind. Nicht die Frage „Wie muss dieses Kind werden, damit es zu uns passt?“ stehe im Vordergrund, sondern: „Was verändern wir, damit es selbstverständlich dazugehören und wirksam teilhaben kann?“ Zuhören, Aushandeln und das Respektieren eines Neins machten Verantwortung und Teilhabe bereits früh erfahrbar. „Inklusion ist kein Zusatzprogramm, sondern die Form, in der gleiche Würde im Alltag sichtbar wird“, formulierte Langensteiner.
Besonders deutlich werde dies im Umgang mit Zuschreibungen. Aus „Dieses Kind kann nicht warten“ könne eine Entwicklungsfrage werden; aus „Es spricht nicht mit uns“ die Frage: „Welche Kommunikation ermöglicht Sicherheit und Ausdruck?“ Wo eine Zuschreibung in eine Entwicklungsfrage übersetzt werde, öffne sich ein Möglichkeitsraum. Auch die Zuversicht griff Langensteiner erneut auf: „Kinder brauchen manchmal geliehene Zuversicht.“ Dabei gelte: „Zuversicht verwechselt eine Grenze nicht mit einem Endpunkt und eine Diagnose nicht mit dem ganzen Menschen.“ Den Absolventinnen und Absolventen gab Langensteiner schließlich mit auf den Weg: „Schaffen Sie Zugehörigkeit, ohne Gleichförmigkeit zu verlangen.“ Seine Rede schloss mit dem Wunsch nach der Erfahrung, dass durch ihr Wirken „aus Anwesenheit Zugehörigkeit und aus Möglichkeit Teilhabe wird“. Die Musikbeiträge von Johannes Steiner, Mike Rumpeltes und Johannes Winkler umrahmten die Feiern und setzten besondere Akzente.
Mit der Verleihung der Dekrete rückte schließlich das in den Mittelpunkt, worum es an diesem Tag ging: das Erreichte zu würdigen und zugleich nach vorne zu blicken. Denn mit jedem abgeschlossenen Studium beginnt auch etwas Neues – mit Wissen, Verantwortung und der Zuversicht, Bildung für andere wirksam werden zu lassen.