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Werkeln wie Steve Jobs

Aus persönlicher Begeisterung wird ein zusätzliches Lehrfach: In vier Semestern absolvieren 22 technikbegeisterte Talente die Ausbildung zum/zur Informatiklehrer/in.

Da wird geschraubt, geklemmt, auseinander genommen und wieder zusammen gesteckt. Wie einst in der Garage von Steve Jobs. Von der Pieke auf lernen die Studierenden des Lehrgangs „Lehrer/in für IKT“ von Bits und Bytes, RAM und ROM oder wie genau Daten in Paketform von einem Ende der Welt zum anderen flitzen. In vier Semestern möchten sie fertige Informatiklehrer/innen sein und die Schülerinnen und Schüler in ihrem Klassenraum zum kreativen Umgang mit den modernen Kommunikationstechnologien anregen. Jetzt am Anfang stehen mathematisch-technische Grundlagen sowie PC- und Netzwerktechniken auf dem Stundenplan.

Neben Studierenden, die derzeit noch ihre Lehrerausbildung an der PH NÖ absolvieren, sitzen in diesem berufsbegleitenden Lehrgang auch Lehrer/innen, die bereits im Dienst stehen. Einige unterrichten sogar schon das Fach Informatik, wie Marco Stöberl, Sport- und Geschichtelehrer am BRG Kremszeile in Krems: „Ich bin mittlerweile an drei Fronten im Einsatz: Sporthalle, Klassenraum und Informatiksaal.“ Alle drei Varianten seien sehr unterschiedlich, was aber eine willkommene Abwechslung im Unterrichtsalltag mit sich bringe, so Stöberl. „Im Informatikunterricht ist es immer schön zu sehen, dass Jugendliche sehr offen gegenüber neuen Dingen sind. Das kann man von Erwachsenen oftmals nicht behaupten.“ Er persönlich findet die Schnelllebigkeit dieses Bereiches faszinierend. „Was vor kurzem noch Usus war, kann schon in wenigen Monaten wieder veraltet sein.“

Es geht nicht ohne Informatikunterricht

Diese Begeisterung für neue Technologien ist es, die die 22 Teilnehmer/innen des Lehrgangs verbindet. Hier im Kurs lernen sie unter anderem Medienpädagogik, Medienrecht, die Erstellung von Audio- und Videodokumenten für ihren Unterricht, aber etwa auch, wie sie gemeinsam mit ihren Schüler/innen eine einfache Homepage gestalten können. Obwohl das Fach Informatik in den einzelnen Schultypen leider immer noch in den Kinderschuhen steckt, wie Lehrgangsleiter Ernst Artner weiß: „Neue Medien und Informations- und Kommunikationstechnologien stehen selbst in der Neuen Mittelschule nur als ‚Unverbindliche Übung Informatik‘ im Lehrplan.“ Die Schule könne aber autonom die Gewichtung dieser Thematik bestimmen. „Wenn wir uns umblicken – seien wir mal ehrlich – das tägliche Leben funktioniert einfach ohne IKT nicht mehr. Daher kann das Arbeiten mit diesen neuen Medien nicht früh genug, also schon in der Volksschule, beginnen.“ Das Argument, informatische Bildung müsse sozusagen als „Querschnittmaterie“ über alle Fächer verteilt werden, geht in die falsche Richtung, ist Artner überzeugt: „Genausogut könnte behauptet werden, Lesen in anderen Fächern macht den Deutschunterricht überflüssig. Gerade die Stärkung eines dezitierten Unterrichts über Informations- und Kommunikationstechnologien vermehrt auch den Einsatz und die Verwendung neuer Medien in anderen schulischen Gegenständen.“

Unter der Oberfläche steckt viel mehr

Kursteilnehmerin Denise Hillinger setzt das in ihrem täglichen Unterricht am Mary Ward Privatgymnasium in St. Pölten bereits um. „Ich baue in meinen Fächern Deutsch und Psychologie&Philosophie immer wieder Übungen am PC oder über die Lernplattform Moodle ein. Den Schülerinnen und Schülern macht das sehr viel Spaß, da es für sie eine willkommene Abwechslung ist.“ Sie selbst ist fasziniert von der Vielfalt an Möglichkeiten, die durch digitale Medien im Unterricht entstehen. „In diesem Sinne freue ich mich schon sehr auf das kommende Lehrgangsfach Mediengestaltung und das Gestalten von IKT-gestützten Lernräumen.“

Ihre Sitznachbarin Stefanie Graf aus Oberwaltersdorf ist begeistert „von der Technik, die hinter diesen scheinbar ‚einfachen‘ Geräten steckt. Denn Fakt ist: Es steckt viel mehr dahinter als der Benutzer an der Oberfläche sieht.“ Graf studiert derzeit die Fächer Englisch und Geographie für die Neue Mittelschule. Den Lehrgang IKT macht sie nebenbei. „Ich bin schon sehr gespannt darauf, zu erfahren, wie die Themen den Schülerinnen und Schülern didaktisch und methodisch gut beigebracht werden können. Aus persönlichen Erfahrungen weiß ich, dass Kinder viel unkomplizierter und aufgeschlossener an die Sache rangehen als Erwachsene. “

Die Spitze des Eisbergs ist noch lange nicht erreicht

Einen gänzlich unkomplizierten Zugang legen Stefanie Graf und ihre – übrigens mehrheitlich weiblichen – Kolleginnen und Kollegen im Kurs auch beim Zerlegen eines alten Übungs-PCs an den Tag. Marco Schöberl erinnert sich dabei an seinen ersten eigenen PC zurück: „Ich dachte bei meinem ersten 200MHz-Computer, dass die Spitze des technischen Eisberges erreicht sein musste. In Wahrheit war man noch weit unter Wasser. Jetzt, mit Smartphone und der vernetzten Welt, kann man getrost behaupten, dass die Zukunft noch einiges bringen wird. Wahrscheinlich haben wir noch immer nicht die Wasseroberfläche durchbrochen.“

Wie schwer zukünftige Entwicklungen im Bereich IKT tatsächlich vorhersehbar sind, macht Kursleiter Ernst Artner gerne an einem Zitat von Ken Olson, dem Gründer von Digital Equipment (DEC) fest: „Der sagte 1977: ‚Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus haben möchte.‘ Er konnte sich einfach nicht vorstellen, welche ungehöre Auswirkung der Computer einmal auf unser Leben und die Gesellschaft haben würde.“

Weitere Infos zum Lehrgang „Lehrer/in für IKT“

2. Januar 2017, Erstellt von Walter Fikisz | Weiterbildung | Ausbildung