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Das Projekt „Das Anthropozän lernen und lehren“

Das interdisziplinäre Projekt „Das Anthropozän lernen und lehren“ hat sich das Ziel gesteckt, das Anthropozän als Denkrahmen für Bildungsprozesse in die Schule zu bringen. Der geologische Fachbegriff für unser aktuelles Erdzeitalter dient gleichzeitig als kulturelles Konzept für Beschreibung und Gestaltung der Mensch-Natur-Beziehung. In dieser Mehrfachfunktion kann das Anthropozän als Reflexionsbegriff für eine Weiterentwicklung der Bildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden.

Um im Schulunterricht eine fächerverbindende Auseinandersetzung im Kontext der Dimensionen Zeit und Raum zu ermöglichen, konzentriert sich das Projekt – mit den Projektpartnern Pädagogische Hochschule Niederösterreich, Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, WasserCluster Lunz, Stiftsbibliothek Klosterneuburg und FH St. Pölten/Medientechnik – exemplarisch auf das Thema Wasser im Raum Niederösterreich. Weitere Projektpartner sind eingeladen, sich aus Sicht der Bezugswissenschaften einzubringen.

Die Fokussierung auf Wasser macht es möglich, die Lebenswirklichkeit und Alltagspraktiken der Lernenden in Primar- und Sekundarstufe anzusprechen und offene Lernprozesse an Primärerfahrungsorten zu inszenieren. Im Sinne eines vernetzten Lernens von den lokalen Gegebenheiten zu weltweiten Problemen z.B. mit Oberflächenwasser und Erosion bietet der Ansatz des Globalen Lernens die Gelegenheit, neben der lokalen auch die globale Dimension zu veranschaulichen. Die Zusammenarbeit mit dem WasserCluster Lunz gewährt Schülerinnen und Schülern praktische Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten im Freiland und im Labor über sogenannte Citizen Science Projekte. Über Citizen Science wird naturwissenschaftliches Verständnis im Sinne Forschenden Lernens vermittelt, in der Regel an für die Beteiligten relevanten Orten mit persönlichem Bezug.

Die menschliche Aneignung und Nutzung der Ressource Wasser im Anthropozän lässt sich auch an kulturhistorischen Objekten erfahrbar machen, etwa naturhistorischen Werken aus vergangenen Jahrhunderten in der Stiftsbibliothek Klosterneuburg. An der Auseinandersetzung mit alten Büchern können Schüler/innen neben der kulturellen Praktik des Buchdrucks auch die Bedeutung der Digitalisierung von Handschriften und frühen Drucken inklusive Objektbeschreibung kennenlernen und diese selbst vor Ort in der Bibliothek durchführen. So lassen sich Historisches Lernen, Sprachliche und Kulturelle Bildung im Sinne einer Transkulturellen Pädagogik (Becker-Mrotzek & Roth 2017, 32f.) vielfältig miteinander verbinden. Zahlreiche weitere Beispiele in den Kontexten von Geschichte, Literatur, Kunst, Musik sind zu erschließen und in Lernszenarien mit den Bedingungen in der Gegenwart zu verknüpfen, um Gestaltungskompetenz für die Zukunft zu ermöglichen.

Dabei gilt es, Narrationen und Visualisierungen medienpädagogisch zu nutzen, um mögliche Entwicklungspfade anschaulich zu machen (Leinfelder 2013, 2016, 2017, 2018) und digitale Grundbildung zur Anwendung zu bringen. Das Projekt entwickelt auf diesem Wege innovative Konzepte zur Wissenschaftsvermittlung.

Bisherige Ergebnisse:

  • Skizzierung des Anthropozän-Konzepts und Überlegungen zu seiner Anwendung auf Bildungsprozesse in:
    Sippl, Carmen & Scheuch, Martin (2019). Das Anthropozän als Denkrahmen für Bildungsprozesse. Eine Projektskizze. Zeitschrift für agrar- und umweltpädagogische Forschung 1, 107–119. Hier abrufbar
  • Vorstellung einer beispielhaften Lernsequenz zum Thema Wasser, für bedeutungsvolles Erleben im Sachunterricht der Primarstufe in der direkten Begegnung mit der Natur, verbunden mit lokalen Narrativen, in: 
    Scheuch, Martin & Sippl, Carmen (2019). Wasser lernen im Anthropozän. Fächerverbindender Unterricht in der Primarstufe. R&E-Source, S14: Wissenschaftlichkeit und Professionsorientierung, 3. Forschungstag der Pädagogischen Hochschulen im Verbund Nord-Ost. Hier oder online abrufbar unter https://journal.ph-noe.ac.at/index.php/resource/article/view/659
  • Die Verbindung von literarischem und transformativem Lernen und das didaktische Potenzial von Bilderbüchern zur Reflexion der Mensch-Natur-Beziehung in: Sippl, Carmen (in Vorber.). Das Bilderbuch als Lernmedium im Anthropozän. Eine literaturdidaktische Perspektive. (Erscheint voraussichtlich 2020.)

Nächste Schritte:

  • Entwicklung einer Didaktik des Anthropozäns
  • Konzipierung von Lernszenarien für eine Umsetzung in unterschiedlichen Schultypen und Altersgruppen
  • Tagung Das Anthropozän lernen und lehren – Theoretische Reflexionen und praktische Beispiele am 23./24. April 2020 an der PH NÖ, Campus Baden
  • Sammelband Das Anthropozän lernen und lehren – Theoretische Reflexionen und praktische Beispiele (erscheint in der Reihe „Pädagogik für Niederösterreich“ im Studienverlag Innsbruck; geplanter Erscheinungstermin: Herbst 2020): Call for Papers läuft